Bericht in der Rheinischen Post vom 3.5.2011
VON CORNELIA KRSAK
Gnadenlos komisch
Applaus für das Son’Theater und sein neues Stück „Ein Bett voller Gäste“. Eine verwickelte Handlung, ein liebevoll gestaltetes Bühnenbild und vor allem Akteure inHöchstform sorgten für beste Unterhaltung.
Das Son’ Theater ist ein Garant für beste Theaterunterhaltung. Bei der Auswahl ihrer Stückebeweisen die Schauspieler des ambitionierten Laien-Ensembles stets eine glückliche Hand. „Ein Bett voller Gäste“ stellt dabei keine Ausnahme dar. Mit der turbulenten Komödie von Dave Freeman entfachte das Son’ Theater bei der Premierenvorstellung im Kastell ein wahres Feuerwerk der guten Laune. Bei der Inszenierung passte einfach alles, von der Besetzung der Rollen bis zur kunstvoll vergilbten Tapete im Gästezimmer des einstigen Nobelhotels, das sein Verfallsdatum längst überschritten hat. In der bis ins kleinste schäbige Detail liebevoll gestalteten Absteige nahm die verwickelte Handlung ihren komischen Verlauf. Das Stück spielt in einer kleinen französischen Stadt, in der zu Ehren von St.Wolfgang ein Heimatfest stattfinden soll. Durch ein Versehen von Hotelmanager Heinz (Christian Grune) wird das letzte freie Zimmer in dem heruntergekommenen Hotel doppelt belegt. Das erschöpfte Touristenehepaar Brenda (Renate Heursen-Janßen) und Stanley Parker (Winfried Cleve) sucht nach langer Reise eine ruhige Bleibe, doch davon kann keine Rede sein. Nach einem Wortgefecht sucht die entnervte Brenda mit dem Auto das Weite und lässt ihren Ehemann in dem verlassenen Kaff sitzen.
Geburtstagsüberraschung
Doch schon bald kommt neues Leben in die gammelige Stube, in Gestalt von Helga Philby (Bärbel Melchers). Diese will ihren Mann Claude (Wolfgang Haake) zum Geburtstag überraschen, nicht ahnend, dass sich dieser mit seiner Geliebten Simone (Regina Leurs) im Hotel eingemietet hat. Die Schauspieler liefen zur wahren Höchstform auf. Stanley Parker entpuppte sich als Paraderolle für Winfried Cleve. Angestachelt von Regina Leurs, die mit beherztem Körpereinsatz und französischem Akzent die Table-Dancing-Queen Simone gab, legte Cleve einen Strip hin, der den Zuschauern die Lachtränen in die Augen trieb. Gnadenlos komisch war auch die Szene, in der sich Bärbel Melchers in panischer Flucht vor ihrem eifersüchtigen Ehemann aus dem Hotelzimmer abseilte und dabei den maroden Heizkörper aus der Wand riss. Als kauziger Chefportier Karak zog einzig Wolfgang Närdemann Kapital aus der verfahrenen Situation.
Plausch an der Hotelbar
Das Publikum war eingeladen, als Hotelgäste mitzuwirken und sich nach der Vorstellung zum gemütlichen Plausch an der „Hotelbar“ einzufinden. Zuvor gab es den verdienten langen und kräftigen Applaus für die tolle Inszenierung.